Neurose

Eine Neurose ist definiert als eine allgemeine psychische Verhaltensstörung von längerer Dauer, die nicht angeboren, sondern erst im Laufe der Entwicklung entstanden ist. Um eine Neurose diagnostizieren zu können, müssen organische Störungen als Ursache für das Fehlverhalten ausgeschlossen werden.

Der Neurotiker ist sich der Tatsache durchaus bewusst, dass sein Verhalten nicht normal ist. Trotzdem kann er es nicht willentlich kontrollieren. Er kann aber sein neurotisches Verhalten als nicht zur eigenen Persönlichkeit gehörend einordnen. Dazu ist der Psychotiker während einer Krankheitsepisode nicht in der Lage.

Die Übergänge zwischen Neurose und Psychose sind fließend

Die Unterteilung psychischer Störungen in Neurosen und Psychosen wurden in den neuen Klassifikationssystemen aufgegeben. Allerdings wird die Unterscheidung von Symptom- und Charakterneurosen im psychiatrischen Alltag noch immer verwendet. Auch die weitere Einteilung der Symptomneurosen in hysterische, depressive, hypochondrische, Angstneurosen und Zwangsneurosen ist noch immer üblich.

Die sogenannte Neurosenlehre ist ein zentraler Bestandteil der psychoanalytischen Theorie. Die Tiefenpsychologen verstehen unter einer Neurose eine seelische Störung, die auf Erlebnisse vor allem in der frühen Kindheit zurückzuführen ist. Wobei die kindlichen Erlebnisse nur unbefriedigt verarbeitet werden konnten. Die Krankheitszeichen zeigen sich oft erst viele Jahre später. Meistens werden sie durch Konflikte und Belastungen ausgelöst. So kann die Symptomatik der eigentlichen Ursache oder dem zugrundeliegenden Konflikt kaum mehr zugeordnet werden.

Symptomneurosen

Gegenüber einer normalen Konfliktreaktion neigen Symptomneurosen zur Chronifizierung und zur Redundanz. In diesem Zusammenhang bedeutet Chronifizierung, dass die Symptome der Störung auch noch nach Beendigung des zu Grunde liegenden Konfliktes vorhanden sind. Redundanz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich die Symptome mit der Zeit auch auf andere, ähnliche Situationen ausdehnen können. So kann sich die Angst vor Fahrstühlen mit der Zeit auch auf andere enge Räume, überfüllte Geschäfte oder U-Bahnen generalisieren.

Charakterneurosen

Die Charakterneurose ist gekennzeichnet durch eine umfassende Störung des Erlebens und des Verhaltens mit einer Tendenz zur Manipulation der Umwelt. Ein Mensch mit einer Charakterneurose erlebt seine Mitmenschen und seine Umwelt genauso, wie es seinem inneren Konflikt entspricht. Zum Beispiel empfindet er alles als gegen sich gerichtet. Er fühlt sich dadurch leicht angegriffen oder denkt, dass ihn niemand ernst nimmt und deshalb respektlos behandelt. So wie der Charakterneurotiker seine Umwelt erlebt, verhält er sich ihr gegenüber (Störung des Verhaltens). So kann ein Mensch mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung seinen Mitmenschen generell als zudringlich, respektlos und unverschämt empfinden. Dagegen setzt er sich entsprechend zur Wehr. Die Tendenz zur Manipulation der Umwelt resultiert aus den vorgenannten Punkten.

Der Begriff Charakterneurose ist veraltet und wird heute durch den Begriff Persönlichkeitsstörung ersetzt.

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