Prüfungsangst oder Prüfungsstress?

Wenn Menschen Angst vor der Bewertung der persönlichen Leistungsfähigkeit haben, bezeichnet man diese Schwierigkeit als Prüfungsangst. In Prüfungen oder Situationen, die Betroffene als Prüfung erleben, sind sie nicht in der Lage, ihr Wissen unter Beweis zu stellen. Sie befürchten, die Forderungen nicht erfüllen zu können. Dadurch entsteht Stress, der wiederum das Denken zusätzlich einschränkt. So kann ein Kreislauf entstehen, der schnell eine Eigendynamik entwickeln kann.

Ein bestimmtes Angst-Niveau kann dazu beitragen, sich gut vorzubereiten und ist deshalb durchaus hilfreich. Dreht sich aber alles nur noch um die Prüfung und die Angst so stark wird, dass Prüfungstermine abgesagt oder ständig verschoben werden oder die Prüfungsvorbereitung durch die Angst bereits so stark beeinflusst wird, dass nicht mehr vernünftig gelernt werden kann, ist der kritische Punkt bereits überschritten.

Manchmal wird Prüfungsangst aber auch gerne herangezogen, um nicht ausreichende Leistungen zu rechtfertigen. Diese „Ausrede“ erlauben sich nicht nur die Prüflinge, sondern manchmal auch die Eltern von Prüflingen.

Selbst Prüfer können, etwa bei Hochschulprüfungen, der Prüfungsangst vergleichbaren Spannungen ausgesetzt sein. Oftmals etwa aus Prüfungsunerfahrenheit oder wenn sie die Überprüfung von Kollegen als eigene Prüfung erleben.

Zugeordnet wird die Prüfungsangst als eine Sonderform der Sozialen Phobie. Sie wird aber nur in Sonderfällen als Krankheit eingestuft und zwar dann, wenn sie eine erhebliche Beeinträchtigung des Patienten darstellt und Probleme in seinem sozialen Umfeld entstehen lässt. Auch wenn die normale Entwicklung eines Kindes dadurch eingeschränkt wird, ist  Prüfungsangst als krankhaft einzustufen.

Prüfungsangst kann durch eine erlebte Situation in der Kindheit entstehen, die als ängstlich empfunden wurde.  Vielleicht ein prüfender Blick des Lehrers oder eines, als autoritär empfundenen Menschen, kann sich als generalisiertes Programm  schnell manifestieren.

Bereits die reine Vorstellung einer Prüfungssituation, kann dieses „Programm“ später jederzeit wieder ablaufen lassen. Auch können zusätzliche einschränkende Glaubenssätze (die Prüfer werden mich fertig machen), als Erklärungsversuche hinzugeführt werden. Die Angststrategie wird dadurch weiter manifestiert.

Genau wie es auch bei der Redeangst der Fall ist, entsteht ein Teufelskreis: Die Angst vor der Angst. Aus dieser Abwärtsspirale kommen die Betroffenen nur selten ohne professionelle Hilfe wieder heraus. Auch bei starkem Lampenfieber ist die Schwierigkeit nicht die Aufregung vor einem Auftritt, sondern die Angst, vor dem Auftritt Angst zu haben. Nicht die Dinge an sich beunruhigen die Menschen, sondern ihre Vorstellungen von den Dingen. Ein menschliches Phänomen, das offensichtlich für die meisten Phobien und Angststörungen verantwortlich ist.

 

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