Phobien und Ängste werden von Menschen gelernt

Arbeitet man mit Menschen, die unter angstbasierten Störungen leiden, ist es nützlich, Phobien und Ängste differenziert zu betrachten. Ein Phobiker reagiert unmittelbar auf einen Reiz. Im Gegensatz dazu ist Angst das Ergebnis eines längeren Prozesses. Aus diesem Grund sollten die Ansätze therapeutischer Interventionen für diese beiden Kategorien von Angststörungen auch differenziert ausgewählt werden. Beide Kategorien haben aber auch etwas Gemeinsames: einen Zeitpunkt, an dem die Phobie oder die Angst angefangen hat, sich zu entwickeln.

Wenn ich Menschen dabei unterstütze, die Art und Weise, wie sie auf ihre Vergangenheit reagieren, zu verändern, lernen Sie, Ihre persönliche Geschichte zu verändern.

Menschen, die fortlaufend unter ihren Problemen leiden, haben zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben Generalisierungen aufgebaut, die ihnen nicht hilfreich sind. In den meisten Therapien versucht man Wege zu finden, Gedanken, Gefühle und Erinnerungen gegen neue und geeignetere Muster auszutauschen. Das Problem ist allerdings, dass das menschliche Gehirn auf diese Art nicht wirklich funktioniert.

In meiner Therapie gehe ich mit den Menschen zurück zu dem Punkt, bevor die Generalisierungen aufgebaut wurden, die nicht funktionieren, und baue neue Generalisierung ein, die die alten überschreiben. Aus meiner Sicht funktioniert das menschliche Gehirn wie eine Art Speicher, indem Sachen nach unten geschoben werden, wie es in Kantinen mit Tellern gemacht wird, die in einem gefederten Behälter aufbewahrt werden. Sobald ein Teller vom Stapel genommen wird, schiebt sich der darunterliegende Teller an die Stelle des weggenommenen.

Ich akzeptiere dieses Archivsystem und setzte eine neue Ressource an die Stelle, bevor die Erinnerung losgeht, die für die ungewollte Generalisierung verantwortlich ist. Ich gehe also zu dem Punkt zurück, bevor der Betroffene angefangen hat schlechte Lerngewohnheiten aufzubauen. An dieser Stelle installiere ich eine neue Ressource und rege diese an, sich weiter zu verallgemeinern. Dadurch entsteht ein Gefühl, das dann auch mit der „alten Erfahrung“ verknüpft wird. Die alte Erfahrung fühlt sich dann sozusagen anders an. Aus meiner Sicht ist das ein extrem wichtiger Aspekt bei Therapien für Phobien und Ängste.