Verlauf von Angststörungen

Der spontane Verlauf von Angststörungen gilt als insgesamt wenig günstig. Oftmals ist nicht die Angst selbst die eigentliche Schwierigkeit bei dieser Gruppe von psychischen Störungen. Vielmehr leiden die Betroffenen unter den Folgen ihrer Krankheit, weil ihre Lebensqualität oftmals erheblich eingeschränkt wird. Vor allem bei der Angst vor der Angst kann ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten und eine soziale Isolierung den Leidensdruck stark erhöhen.

Bei der Agoraphobie kommt es häufig zu einem chronischen Verlauf. Das Vermeidungsverhalten und die Erwartungsangst sind ganz besonders ausgeprägt. Das soziale Leben wird dadurch stark beeinträchtigt. Das Verlassen der vertrauten Umgebung ist oft unmöglich.

Panikattacken wiederholen sich meistens. Häufig treten sie mehrfach pro Woche oder sogar täglich auf. Die Panikstörung kann episodenhaft verlaufen. In den meisten Fällen sind Patienten über Jahre in unterschiedlicher Intensität von ihr betroffen. Vor allem die Kombination mit der Agoraphobie schränkt Menschen in ihrer Lebensführung ein, denn oftmals sind sie völlig isoliert und an die vertrauten vier Wände gebunden. Bei einem längeren Verlauf kann es zu Komplikationen durch Missbrauch von Alkohol und Anxiolytika kommen. Diese Störung tritt häufig gemeinsam mit Depressionen auf.

Bei der sozialen Phobie wird ebenfalls ein chronischer Verlauf beobachtet, wenn keine therapeutischen Maßnahmen durchgeführt werden. Wenn durch die bestehende phobische Symptomatik die Kommunikationsbereitschaft in der Öffentlichkeit immer mehr eingeschränkt wird, wirkt dies wie ein Verstärker der Angst. Dadurch kann es zu einer vollständigen Isolierung des Patienten kommen.

Ohne Behandlung kann die generalisierte Angststörung mehrere Jahre und sogar Jahrzehnte bestehen. Die Beeinträchtigung im sozialen oder beruflichen Kontext ist meist geringer als bei anderen Angststörungen.

Der Verlauf bei spezifischen Phobien ist unterschiedlich. Phobien, die in der Kindheit entstanden sind, lösen sich oftmals ohne Behandlung auf (Tierphobien beginnen fast immer in der Kindheit). Später entstandene Phobien können dauerhaft persistieren (Höhenängste können auch noch im vierten Lebensjahrzehnt entstehen). Spezifische Phobien brauchen insgesamt nur selten psychiatrisch behandelt werden.