Komorbidität von Angststörungen

Wegen der Komorbidität von Angstörungen mit anderen psychischen Störungen ist es oft schwierig, die vorherrschende Störung genau zu betimmen. Bei Mischbildern von Symptomen, wie beispielsweise das häufige gemeinsame Auftreten von Angst und Depression, wird das im Vordergrund stehende bzw. zuerst aufgetretene Krankheitsbild in der Diagnostik priorisiert.

Besonders bei den leichteren Formen in der Primärversorgung kommen die Kombinationen von Depression und Angst am häufigsten vor. Eine Kategorie für Fälle, bei denen Depression und Angst gleichzeitig besteht, ist vorgesehen (ICD 10 F41.2 – Angst und depressive Störung, gemischt). Diese Kategorie soll bei gleichzeitigem Bestehen von Angst und Depression Verwendung finden, jedoch nur, wenn keine der beiden Störungen ein Ausmaß erreicht, dass eine entsprechende einzelne Diagnose rechtfertigen würde. Zeigt sich schwere Angst mit einem geringen Anteil von Depression, muss eine der anderen Kategorien für Angst oder phobische Störung verwendet werden. Treten beide Symptome in so starker Ausprägung auf, dass beide einzeln codiert werden können, soll diese Kategorie nicht verwendet werden.

Noch viel häufiger als in der Primärversorgung kommt die Kombination milder Symptome von Angst und Depression in der Bevölkerung vor, ohne dass sie in medizinische oder psychiatrische Behandlung gelangt.

Etwa 60 % der Patienten, die unter einer Panikstörung leiden bzw. von einer generalisierten Angststörung betroffen sind, weisen auch die Symptome einer (behandlungsbedürftigen) Depression auf. Bei den spezifischen Phobien liegt die Quote bei 30-40 %.

Bei 20-40 % der Patienten mit Angststörungen ist eine Komorbidität mit Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen vorhanden. Zum Beispiel können Betroffene in einem missglückten Selbstheilungsversuch Alkohol trinken, um sich zu entspannen. Oder sie nehmen Medikamente, um einschlafen zu können oder Angst besetzte Situationen zu überstehen.

Im Zusammenhang mit Angststörungen treten gehäuft Zwangsstörungen, somatoforme Störungen und posttraumatische Belastungsstörungen auf.

Auch kommt es sehr häufig zu einer Kombination der verschiedenen Angststörungen. Zum Beispiel haben fast alle Patienten mit einer behandlungsbedürftigen Agoraphobie auch eine Panikstörung.