Differenzialdiagnose bei Angststörungen

Die wichtigste Differenzialdiagnose bei Angststörungen ist die Abgrenzung zu normaler Angst. Besonders zu beachten sind dabei die Schwere der Angstsymptomatik, die fehlende psychologische Ableitbarkeit und die Ausprägung der sozialen Beeinträchtigung.

Da bei depressiven Störungen sehr häufig auch Angst vorhanden ist, sollte in diesem Zusammenhang auf ausgeprägte depressive Symptome geachtet werden. Ebenso muss der häufig vorkommende phasenhafte Ablauf einer depressiven Erkrankung berücksichtigt werden.

Bei schizophrenen Psychosen kommt häufig wahnhaft begründete Angst vor. Die allgemeinen Wahnkriterien müssen erfüllt sein. Bei wahnhafter Angst haben die Betroffenen nicht nur eine ungewisse Befürchtung oder Sorge, vielmehr sind sie fest davon überzeugt, dass ihre Befürchtungen eintreffen werden. Wahn ist nicht diskutierbar.

Die Abgrenzung zu organischen psychischen Störungen und internistischen Erkrankungen wird durch die Erhebung von pathologischen Organbefunden sichergestellt, die möglicherweise in einen zeitlichen Zusammenhang zum Auftreten und/oder Abklingen von Angstsymptomen stehen. Panikattacken sollten sorgfältig von epileptischen Anfällen abgegrenzt werden.

Drogenintoxikationen und Angststörungen

Im Rahmen von Drogenintoxikationen, insbesondere durch Amphetamine, LSD und Marihuana ist das Kriterium des zeitlichen Zusammenhangs von Bedeutung. Gleiches gilt bei einem Drogenentzug oder beim Absetzen bestimmter Medikamente (Anxiolytika).

Posttraumatische Belastungsstörung und Zwangserkrankungen

Bei posttraumatischen Belastungsstörungen ist Angst ein führendes Symptom. Inhaltlich und zeitlich ist die Angst auf das zugrundeliegende Trauma bezogen. Üblicherweise tritt bei Zwangserkrankungen Angst nur dann auf, wenn die Zwangsimpulse bzw. die Zwangshandlungen nicht umgesetzt werden. Auch bei Persönlichkeitsstörungen kann Angst ein wesentliches Symptom sein (ängstliche, abhängige, anankastische und passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung).

Erkrankungen, die häufig Angst als relevantes Symptom aufweisen

Nichtorganische psychische Störungen
Schizophrene Psychosen, affektive Psychosen, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Anpassungstörungen.

Organisch bedingte psychische Störungen
Delir, organische Angststörung, organische wahnhafte Störung, organische depressive Störung, organische Persönlichkeitsstörung.

Substanzabhängige Störungen
Hirnorganische Anfallsleiden, Chorea Huntington, Migräne, multiple Sklerose, zerebrale Minderperfusion, erhöhter Hirndruck.

Internistische Erkrankungen
Angina Pectoris/Myokardinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Hypoglykämie, Hypoxie, Lungenembolie, Hyperthyreose, Karzinoid, Phäochromozytom, Anaphylaxie.