Entstehung von Angst- und Panikstörungen

Psychodynamische Theorien über die Entstehung von Angst- und Panikstörungen

In der psychoanalytischen Neurosentheorie nimmt der Affekt Angst eine zentrale Stellung ein. Man geht davon aus, dass alle Symptombildungen auf einen inneren unbewussten Konflikt zurückzuführen sind. Das Individuum versucht durch einen Kompromiss konflikthafte Bestrebungen bzw. Einstellungen miteinander zu „versöhnen“ und dadurch das psychische Gleichgewicht um den Preis neurotischer Konfliktlösung zu erhalten. Nach dieser Theorie entsteht bei Menschen Angst wenn die neurotische Konfliktlösung misslingt.

Eine weitere Grundannahme ist: Die Betroffenen konnten keine ausreichend stabilen Ich-Fähigkeiten ausbilden um mit adäquater „Signalangst“ umgehen zu können. In Konfliktsituationen wird der Betroffene durch den real bestehenden Konflikt überfordert. So können möglicherweise infantile Ängste reaktiviert werden. Bei Menschen mit neurotischer Angstsymptomatik werden insbesondere akute Ängste ausgelöst, wenn (unbewusste) Eigenbewertungen stattfinden. Zum Beispiel entsteht Trennungsangst bei drohendem Verlust oder Trennung einer nahestehenden Bezugsperson. Auch die Angst vor einem Verlust sozialer Anerkennung kann eine entscheidende Rolle spielen.

Diese Entstehungsmechanismen sind insbesondere bei der generalisierten Angststörung von Bedeutung. Bei Phobien besteht der wesentliche psychische Vorgang in einer Verschiebung bzw. Projektion. Man geht davon aus, dass eine ursprünglich intrapsychische Gefahrenquelle nach außen auf ein bestimmtes Objekt oder eine Situation verlagert wird. Nicht das reale angstauslösende Objekt wird gefürchtet, sondern die unbewussten Phantasien, die sich mit dem Objekt assoziativ verbinden.

Neurobiologische Aspekte

Bei der Entstehung von Angst-und Panikstörungen haben die neurobiologische Aspekte eine große Bedeutung. Das limbische System (insbesondere Amygdala und Hippocampus) nimmt dabei eine zentrale Stellung ein. Darüber hinaus spielen der Locus coeruleus als Ursprungsort der noradrenergen Neurone und die Raphkerne als Ursprungsort der serotonergen Neurone eine Rolle.

Eine besonders große Bedeutung haben neurobiologischen Faktoren bei der Genese von Panikstörungen.  So können Panikattacken bei Patienten durch bestimmte Substanzen (Laktat, Co2, Noradrenalin) experimentell provoziert werden. Schätzungsweise sind 40 % der Varianz der Vulnerabilität von Panikstörungen biologisch bedingt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.